Geschichte

Die Urgeschichte

Das Mirebellois ist Grenzland zwischen den Stämmen  der Lingonen und der Attuarier. Die Menschen sind aufgeschlossen,  und schon früh  nimmt es eine wichtige Rolle in Tausch und Handel ein.
Eine  florierende Aktivität im Eisenzeitalter beweist das von 1977 bis 2007 in Mirebeau sur Bèze ausgegrabene keltische und galloromanische Heiligtum „La Fenotte“.

Zur Zeit der Gallier schneiden sich hier die Grenzen der Eduens, Lingons und der Séquanes. Zahlreiche Gegenstände des täglichen Gebrauchs konnten bei Ausgrabungen gesichert werden und sind im Tourismusbüro ausgestellt. Schon vor einer endgültigen Beurteilung kann man sagen, dass es sich bei den Bewohnern um religiöse und sesshafte Menschen handelte und dass die römischen Besatzer ihren Willen nicht mit Gewalt  durchsetzten, sondern versuchten, sich anzupassen.

 

Römerzeit (I. – IV.Jahrhundert.)

Ein außergewöhnliches Ereignis schreibt in Mirebeau sur Bèze Geschichte: Der römische  Gesandte Lapius lässt sich mit der Achten Legion in Mirebeau nieder und stationiert dort sein römisches Heer. Es ist das einzige militärische Lager, das später in Frankreich ausgegraben wird.
Der Tod Neros ist Anlass einer Krise. Einige gallische Stämme, darunter die Lingons (aus Langres) und die Druiden, wollen das römische Joch abschütteln.
Das Militärcamp, von Lapius im Jahre 69 n.C. erbaut, ist ein großes Rechteck (22ha) mit abgerundeten Ecken, geschützt durch eine Festungsmauer, umgeben von einem Graben, flankiert von Türmen, die allesamt 35 – 40 Meter hoch sind. Vier Tore (eines an jeder Seite), überwacht von zwei Steintürmen in Form eines U, sind Durchlass für die Auffahrt zweier Wege, die sich im Zentrum des Lagers kreuzen. 8000 Männer leben mehrere Jahre lang in Kasernen aus Holz.
Ein Aufruhr der gallischen Stämme wird schnell durch Vespasian niedergeschlagen.

Wenn auch die Anwesenheit der Legion in Mirebeau sur Bèze ungefähr dreißig Jahre dauerte -  die Aufgabe des Lagers  erfolgte von einem Tag zum anderen. Die achte Legion wird Richtung Osten verlegt, um die Grenzen des römischen Weltreiches zu sichern, dort  wo später Straßburg entstehen wird. 

Die Franken und das Mittelalter (V. – XIII.)

Nachdem die Ordnung wieder hergestellt war, entstanden  zahlreiche Gallo-romanische Villen (Landgüter, die sowohl den Wohnsitz des Besitzers als auch Unterkünfte für Arbeiter und Sklaven – in unserer Gegend landwirtschaftlicher Hilfskräfte  -  umfassten). Sie waren solide gebaut  und mit unterschiedlichem Luxus ausgestattet. Viele wurden von ehemaligen römischen Soldaten errichtet. Diejenige von Renéve wurde mehrere Male  zersört und wieder aufgebaut. Sie soll 7 Jahrhunderte überdauert haben und war im 4. und 5. Jahrhundert kostbar ausgestattet. Sie verschwand endgültig mit dem Einfall der Normannen 888.

 

Im Frühjahr 614 findet ein entscheidendes Ereignis in den Machtkämpfen der Nachfolger Clovis statt. Die Königin von Austrasien,  Brunehaut, Gattin Sigisberts I., eines Enkels von Clovis, macht auf einer Reise hier Station. Unweit davon entfernt, in Jancigny, am Rand einer kleinen Villa, kampiert ihr Feind Lothar II., der Junge, Erbe des Königreichs Neustrien. Brunehaut wird von ihren Vasallen  (Mitglieder der Aristokratie im Mittelalter), verraten, die unzufrieden sind über eine neuerliche Steuererhöhung). Von den Soldaten verhöhnt, wird sie hingerichtet, einen Arm und ein Bein an ein fliehendes Pferd gebunden. Ein merowingisches Gräberfeld mit schönen Steinsarkophagen dieser Epoche befand sich in unmittelbarer Umgebung..

 

Im Jahr 636 vermacht Amalgaire, ein Fürst aus der Gegend, einem seiner Söhne eine Ort namens Fons Besua (heute Bèze), um dort ein Kloster zu gründen. Fons Besua ist eine verwucherte Schlucht, in der wilde Wasser aus dem Boden schiessen. Aus anfänglich ein paar Mönchen werden mehr. Bèze wird zur Abtei. Die Kirche St. Peter und Paul, von der nur ein Teil einer Säule mit einem Kapitel übrig geblieben ist, maß mindestens 35 Meter, ebenso wie der Kreuzgang des Klosters. Mauern schützten die Gebäude, Ställe, Keller und Garten. Ausserhalb entstand eine grössere  Siedlung mit eigener Kirche aus dem XI. Jh, geweiht dem Hl. Rémy. Dorf und Abtei werden wiederholt zerstört, 660 im Krieg zwischen den Franken, 676 im Aufstand des Adalrich, 731 von den Sarrazenen, 888 von den Normannen und 936 von den Ungarn.

 

Der letzte Wiederaufbau überlebt die Unruhen der Revolution von 1789 nicht. Später dient ein Teil der Umfassungsmauern als Untergrund für den Bau der  Strasse nach Dijon. Tausende Bücher der Bibliothek der Mönche werden vom Revolutions-Kommittee Is-sur-Tille in alle Winde zerstreut. 

 

In dieser Epoche hält das Christentum Einzug in der Region. In 19 Dörfern des Kantons  von insgesamt 21 werden vom 11. bis 19. Jahrhundert  Kirchen gebaut.

 

Die Herzöge Burgunds (XIV. – XV. Jahrhunder)

Das Mirebellois ist Teil des Herzogtums, das  Philipp der Kühne als Lehen erhalten hat. Mirebeau profitiert von der Politik Johannes des Furchtlosen, Philipp des Guten und Karls des Kühnen. Handel, Industrie und Künste blühen auf durch den Austausch zwischen Herrschaftsgebieten des Herzogtums Burgund.

Ein Zimmermeister aus Renève (Paganis Maillet) wird von Philipp dem Kühnen zum Bau der Kartause von Champol (Dijon) berufen.

Die Region bleibt Grenzgebiet zwischen dem Herzogtum und der Comté, einem Teil des Reiches von Karl V. Zahlreiche Wachttürme und Befestigungsanlagen sichern den Schutz der Bevölkerung. Beaumont sur Vingeanne, Besitz der Familie Vergy, ist ein Glied in dieser Kette.

 

1477 werden die burgundischen Staaten zwischen Frankreich und dem Haus Österreich aufgeteilt. Frankreich beansprucht Burgund. Der Kanton kommt zum Königreich Frankreich, einige Gemeinden jedoch profitieren vom unklaren Grenzverlauf und nennen sich einmal französisch und einmal zur France-Comté gehörend.

Von Ludwig dem XI bis zur Revolution (XV. – XVIII. Jahrhundert)

Im 17. Jahrhundert mehren sich die Überfälle. Am Fluss gelegene Dörfer werden verwüstet.
Es  ist die Zeit der Söldnerarmeen und der Entführungen gegen Lösegeld. Der 1618 begonnene 30jährige Krieg hinterlässt auch hier seine Spuren. Im Jahre 1636 verschwinden zwei Kinder der Familie Condé aus der Region. Nach Einsatz der französischen Armee erfolgt eine bedingungslose Rückgabe ohne Lösegeldforderung. 

Als Druckmittel wird das Lager des Generals Gallas (bei Champlitte) angegriffen. Diese Abteilung der spanisch-französischen Armee wird besiegt, die Kavallerie vernichtet. Geschirr aus Gold und Silber sowie die Geliebte des Generals werden erbeutet. Gallas wütet und fällt in das Tal der Vingeanne ein, raubend, plündernd, mordend. Die Festung Beaumont hält stand, Mirebeau fällt nach dreitätiger Belagerung. In St. Jean de Losne wird Gallas aufgehalten, begeht weitere Untaten, wird aber von der königlichen Armee verfolgt. Diesmal fällt Beaumont, seine Wachtposten waren durch Krankheit geschwächt. Das Dorf, das jährlich mehrere Märkte abhielt und mit Bèze rivalisierte, wird sich nie mehr davon erholen. Dieser 30-jährige Krieg geht 1659 zu Ende. 

Nach einer anfänglich schwierigen Regierungszeit festigt der Sonnenkönig seine Herrschaft und den Frieden mithilfe von Mazarin (17. Jh.). Die Befestigungen werden modernisiert, um das Leben darin zu erleichtern. Der Stil von Versaille erobert das Land. In Beaumont sur Vingeanne baut sich der Hofgeistliche Joliet eine Residenz (der gleichen Epoche entstammen die Schlösser in Arcelot, Talmay, Fontaine-Francaise). Die Gegend bleibt ruhig und genießt einen gewissen Wohlstand. Die Anzahl der Einwohner wächst (Renève zählte damals 800 Einwohner, heute nur noch 420). 

Wie überall, weht auch hier der Geist der Revolution. Einige Schlösser werden zerstört, andere verkauft. Viele der Alleen, die zu den Schlössern führten, verschwinden (Oisilly, Jancigny). Inschriften zu Ehren Gottes oder des Königs auf der Brücke von Renève werden über Nacht ausgelöscht.

Moderne Zeit (IX. – XXI. Jahrhundert)

Neue Technologien fördern die Industrialisierung. Im Kanton entstehen Fabriken. In Bèze verarbeitet die Familie Chambrette das vor Ort gewonnene Erz und vermarket die Gussformen, bevor sie sich der Ziegelherstellung widmet.  Die Ziegelei in Mirebeau entwickelt sich von der Manufaktur zur Fabrik. Mühlen werden mit Generatoren ausgestattet. Die Besitzer versorgen sogar das Dorf mit Elektrizität. Es wird erzählt, dass in Bezouotte die Menschen nachts aufblieben, um zu sehen, ob das Wunder auch standhielt. 

 In der Dorfmitte werden Schulen errichtet mit schön gestalteten Fassaden, getrennte Gebäude für Jungen und Mädchen – gemischte Klassen gab es nicht. 

 Heute gibt es 5 pädagogische Einheiten, Mirebeau, Bèze, Beire, Belleneuve und Renève, mit Schultransporten, Kindergärten, Vorschulen, Krippen und Kantinen. 

 Viele  Eltern arbeiten ausserhalb des Kantons. Übriggeblieben sind eine landwirtschftliche Kooperative, kleine Unternehmen in Mirebeau, Arcelot und Bezouotte sowie Handwerksbetriebe. Ein oder mehrere Autos pro Familie oder der Traktor im Bauernhof ersetzen die Pferdefuhrwerke von einst.

Die meisten Bewohner besitzen ein eigenes Haus.